1. Vorteile der organisationsübergreifenden Zusammenarbeit
Kein Unternehmen – insbesondere kein kleines und familiengeführtes – kann den Übergang zu mehr Nachhaltigkeit allein bewältigen. Die Komplexität der Vorschriften, Umweltauflagen und Markterwartungen erfordert ein kooperatives Vorgehen.
Organisationsübergreifende Zusammenarbeit hilft dabei, Kräfte zu bündeln, Kosten zu senken und Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit zu fördern.
Die Infografik hebt sechs zentrale Vorteile der organisationsübergreifenden Zusammenarbeit hervor.
2. Formen der übergreifenden Zusammenarbeitsorganisation
Horizontale Zusammenarbeit
Zusammenarbeit mit vergleichbaren Unternehmen aus demselben Sektor oder derselben Region: Austausch bewährter Verfahren, Tools und Infrastrukturen sowie gemeinsames Streben nach Zertifizierungen.
Vertikale Zusammenarbeit
Zusammenarbeit mit Lieferanten, Herstellern, Händlern oder Kunden: Ausrichtung der Nachhaltigkeitsziele entlang der Wertschöpfungskette, Reduzierung von Abfällen, Verwendung von Öko-Materialien und Anwendung von Rückverfolgbarkeitssystemen.
Institutionelle Zusammenarbeit
Zusammenarbeit mit Kommunen, Universitäten oder öffentlichen Einrichtungen: Wissenserwerb, Finanzierung, Sichtbarkeit und Teilnahme an lokalen Entwicklungs- und Innovationsinitiativen.
Cluster- und Netzwerkzusammenarbeit
Die Zusammenarbeit mit Verbänden, Genossenschaften oder Innovationsclustern: Steigerung der Reichweite, Förderung gemeinsamer Initiativen, Anträge auf Fördermittel und politischer Vertretung.
Reflexionsaktivität
Kartieren Sie Ihre Kollaborationslandschaft:
Welche Akteure (Unternehmen, Institutionen, Organisationen) in Ihrem Sektor oder Ihrer Region arbeiten bereits an Nachhaltigkeit?
3. Fallbeispiele
Essem Design – Schweden
Essem Design ist ein familiengeführtes Möbelunternehmen, das seit 1937 auf Kreislaufwirtschaft setzt.
Es arbeitet mit lokalen Designern, Materiallieferanten und Logistikdienstleistern zusammen, um die Umweltbelastung zu reduzieren und die regionale Wirtschaft zu unterstützen.
Das Unternehmen arbeitet zudem mit Zertifizierungsstellen und Prüfinstituten zusammen, um verschiedene Standards (ISO, Umweltproduktdeklarationen) zu erfüllen. Diese Kooperation vereinfacht komplexe Zertifizierungsprozesse und trägt zur Erfüllung der Kundenerwartungen bei.
Satturn Holešov – Tschechische Republik
Satturn ist ein familiengeführtes Technologieunternehmen, das in Zusammenarbeit mit Universitäten und Ministerien dezentrale Abwasserbehandlungssysteme und Umwelttelemetrie entwickelt. Diese Innovationen werden landesweit in Kommunen und Krankenhäusern eingesetzt.
Satturn hat auf seinem Gelände (Photovoltaikanlage, Regenwassernutzung, Wärmedämmung) ökologische Innovationen umgesetzt und dient dabei als eine Art Reallabor. Darüber hinaus beteiligt sich das Unternehmen gemeinsam mit der Gemeinde, ansässigen Unternehmen und Bürgern am Aufbau einer lokalen Energiegemeinschaft.
Reflexionsaktivität
Kollaborations-Canvas:
- Wer sind drei potenzielle Partner in Ihrer Wertschöpfungskette oder Ihrem Vertriebsgebiet, mit denen Sie eine Zusammenarbeit ausloten könnten?
- Welche Herausforderung im Bereich Nachhaltigkeit könnten Sie gemeinsam angehen?
- Welche Form der Zusammenarbeit wäre am nützlichsten (technische, logistische, werbliche, institutionelle)?
- Was wäre ein erster Schritt zur Initiierung dieser Partnerschaft?
4. Fazit und Nächste Schritte
Nachhaltigkeit lässt sich nicht im Alleingang erreichen. Durch Zusammenarbeit können Familienunternehmen ihre Anstrengungen bündeln, Risiken teilen und gemeinsam umweltfreundliche Lösungen entwickeln. Sie verschafft Zugang zu Wissen, Skaleneffekten und Sichtbarkeit und stärkt gleichzeitig das langfristige Engagement für Nachhaltigkeit.
Zusammenarbeit
Wissen und Ressourcen teilen
Seien Sie Strategisch
Ziele und Prioritäten aufeinander abstimmen
Nutzen Sie Ihr Netzwerk
Chancen vervielfachen
Glaubwürdigkeit aufbauen
Vertrauen und Sichtbarkeit stärken
Klein anfangen ⟶ Große Wirkung
Kleine Bündnisse, echte Veränderungen
Zusammenarbeit ist ein Prozess – keine einmalige Handlung
Nächste Schritte
- Lokale Akteure und Akteure entlang der Wertschöpfungskette erfassen.
- Identifizieren Sie gemeinsame Nachhaltigkeitsziele oder – herausforderungen.
- Nehmen Sie Kontakt auf und schlagen Sie eine einfache, risikoarme Kooperationsidee vor.
- Die Ergebnisse dokumentieren und die erfolgreichen Ansätze ausweiten.
5. Selbsteinschätzung
6. Ressourcen & Weiterführende Literatur
- Europäische Cluster-Kooperationsplattform – Ein umfassendes Zentrum für Tools und Fallstudien zur Unterstützung der branchen- und länderübergreifenden Zusammenarbeit von Unternehmen.
- Roadmap für Nachhaltigkeit im KMU-Bereich (CSR Europe) – Ein praktischer Leitfaden für KMU zum Aufbau von Nachhaltigkeitspartnerschaften und zur Einbindung von Interessengruppen.
- Partnerschaften für die Ziele – UN SDG Toolkit – Leitfaden zum Aufbau und Management wirkungsvoller Kooperationen im Einklang mit SDG 17.
- Grüne Allianzen für KMU (Enterprise Europe Network) – Informationen und Unterstützung für KMU bei der Suche nach Partnern für Innovations- und Nachhaltigkeitsprojekte.
7. Referenzen
- Dembek, K., Singh, P. & Bhakoo, V. (2016). Gemeinsamen Wert schaffen: Eine systematische Übersicht, Synthese und Forschungsagenda. International Journal of Management Reviews, 18(2), 167–191. doi.org/10.1111/ijmr.12068
- Europäische Kommission. (2020). Eine KMU-Strategie für ein nachhaltiges und digitales Europa. Brüssel. commission.europa.eu
- Family Business Network (FBN). (2022). Toolkit für die Zusammenarbeit für nachhaltiges Wahstum. Interne Veröffentlichung.
- OECD. (2023). Ökologisierung von KMU für mehr Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Paris: OECD Publishing. oecd.org/industry/greening-smes.htm
- Porter, M. E., & Kramer, M. R. (2011). Gemeinsamen Wert schaffen: Wie man den Kapitalismus neu erfindet – und eine Welle von Innovation und Wachstum auslöst. Harvard Business Review, 89(1–2), 62–77. https://hbr.org/2011/01/the-big-idea-creating-shared-value
- Vereinte Nationen. (2015). Ziele für nachhaltige Entwicklung. Ziel 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. sdgs.un.org/goals/goal17